Starke Vorstellung trotz kleiner Besetzung

WP vom 18.06.2018 von Marcus Bottin

 

Mellen. Mellens Männergesangverein macht sich Sorgen um die Zukunft. Neue Mitstreiter sind auch nach dem Jubiläums-Sängerfest nicht in Sicht.

Das Motto war bezeichnend. Zum Auftakt ihres Jubiläumssängerfestes begrüßten die „Eintracht“-Sänger des MGV Mellen ihre Gäste mit dem Lied „Dies ist ein großer Tag“. Feste sollte man feiern, wenn sie fallen. Das gilt besonders für die Sänger aus dem Golddorf. Denn es ist durchaus nicht sicher, ob noch viele große Tage folgen werden. Dem MGV Mellen gehen die Sangesbrüder aus. Rund 20 Herren im fortgeschrittenen Alter treffen sich noch regelmäßig zu Probenabenden und Auftritten. Tendenz: sinkend.

Liedgut der Zeit anpassen

Auf einer Geburstagsfeier sollten Zukunftssorgen nicht im Vordergrund stehen. So stellte MGVE-Vorsitzender Michael Kather lieber positive Aspekte heraus. „Die letzten 25 Jahre seit unserem 100. Geburtstag waren sehr intensive Jahre“, sagte der Sängerchef. „Wir haben viele Veranstaltungen ausgerichtet.“ Und das Liedgut habe sich mehrfach der Zeit angepasst: von Traditionellem hin zu Rock, Pop und Countrymusik – auch auf Plattdeutsch, Französisch, Latein oder Russisch haben die Golddorfsänger ihr Können präsentiert.

Gründe fürs gemeinsame Singen gibt es viele. Michael Kather zählte nur einige auf. Seine selbst gestellte Frage: Warum singen wir im Chor? beantwortete er wie folgt: „Junge dürfen alt werden. Alte werden durch Gesang wieder jung. Eitle dürfen in der ersten Reihe sitzen. Bescheidene sitzen in der letzten Reihe. Nörgler dürfen über Dissonanzen meckern. Egoisten erhalten eigene Noten. Geltungsbedürftige dürfen lauter singen. Fürsorgliche verteilen Hustenbonbons. Schreihälse werden behutsam gedämpft. Morgenmuffel haben Glück, denn die Probe ist am frühen Abend. Müde dürfen im Sitzen singen. Schweigsame dürfen den Mund öfter aufmachen. Gesellige dürfen nach der Probe noch etwas trinken. Reiselustige dürfen Chorreisen planen. Lustige dürfen Witze erzählen.“ Die Abschlussfrage ans Publikum, ob sich jemand wieder gefunden habe, war rhetorischer Natur.

Hubert Teipel, zweiter Vorsitzender des MGV Eintracht Mellen, bilanzierte: „Mit unserem Geburtstags-Sängerfest sind wir sehr zufrieden. Das waren zwei harmonische Abende, und unsere Gäste sind sehr lange geblieben.“ Denn nach dem Liedvorträgen spielte eine kleine Band in der Schützenhalle zum Tanz auf. Und die Stimmung sei sehr gut gewesen, freut sich Hubert Teipel.

Moralische Unterstützung

Was bleibt, ist wenig Hoffnung auf weitere Zugänge. „Wir haben doch alles mögliche versucht“, sagt Teipel. „Wir hoffen jetzt einfach, dass wir noch einige Zeit miteinander singen können.“

Moralische Unterstützung erhalten die Mellener Sänger dabei von Nicole Kupitz. „Auch mit 20 Leuten kann man musikalisch noch einiges bieten“, ist sich die zweite Vorsitzende des Kreis-Chorverbandes Arnsberg sicher.

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