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In Mellen können Bürger ihre Bedürfnisse benennen und Neues ausprobieren

WP vom 13.07.2021 von Alexander Lück Foto Alexander Lück
Mellen Wie wollen wir in Zukunft mobil sein? Gerade im ländlichen Bereich? Raum zur Ideensammlung und Inspiration bietet die Mobilitätsinsel im Mellener Landmarkt, die jetzt noch einmal bereichert wurde. Ein Ortsbesuch.

Seit gut einem Monat kann man sich in der Mobilitätsinsel im Mellener Landmarkt mit der Bewegung von morgen und übermorgen beschäftigen. Mit bisher guten Resonanz von den Besuchern die gekommen sind, wie Alessa Näpel berichtet. Sie ist für die Stadtwerke Menden/Balve dabei, führt Besucher, erklärt, stellt Fragen zur Mobilität. Am Freitagabend ist etwa das Team Wirtschaft des Balver Stadtmarketings geladen, einen Blick in die Mobilitätsinsel zu werfen. Hausherr Björn Freiburg versorgt es mit Leckerem aus dem Steinofen.

Ein Besuch lohnt. Das Angebot ist um eine Station ergänzt worden: um einen Pedelec-Simulator. Man sitz auf dem elektrisch angetriebenen Drahtesel, der allerdings fest installiert ist. Die Landschaft beziehungsweise die Stadt zieht am Bildschirm an dem Radler vorbei. Schnell erreicht man dank des Motors ein hohes Tempo. Näpel: „Man überschätzt sich schnell.“

Auf dem Zweirad gilt es auch im Simulator, höchste Konzentration zu bewahren. Manche Gefahr auf dem Bildschirm kündigt sich vielleicht wenige Sekunden vorher an. Anderes kommt aus dem Nichts. Der WP-Reporter jedenfalls auf dem Simulator schafft es nicht in allen Situationen, rechtzeitig zu bremsen. Dieses Angebot gehört nun auch zur Mobilitätsinsel, man konnte das Pedelec über das Zukunftsnetz Mobilität NRW leihen. So stiegen am frühen Freitagabend einige Besucher aufs Rad.

Danach bekam man eine VR-Brille auf die Nase und wurde durch ein Zukunftsszenario geleitet. Es spielt im Jahr 2049. Die Innenstadt von Frankfurt/Main ist autofrei und grün. Sein Ziel erreicht man mit autonomen Shuttles. Weit weg? Es gibt auch die heimische Landschaft nur ein paar Schritte weiter. Hier fährt man dann auch autonom (noch am Bildschirm, nicht in der Realität) von Mellen aus nach Langenholthausen oder in die Balver Innenstadt. Und soll sich dabei durch zahlreiche Fragen mit seinem eigenen Mobilitätsverhalten, Wünschen und Bedürfnissen auseinandersetzen. Was zählt? Zeit? Geld? Oder Umweltnutzen?
Drei Familien, acht Autos

Besucher Martin Gruschka nannte ein Beispiel: eine kleine Straße mit drei Familien, aber acht Autos vor der Häusern. In der Zukunft auch noch? „Eigentlich geht das nicht.“ Also könnte Carsharing eine Antwort sein, da sind sich die Teilnehmer einig. Passgenau dort, wo es benötigt wird. Oder für kleinere Strecken wird es der E-Scooter. Gruschka probierte auch hier gleich mal aus, glitt über die Straßen des Golddorfes . In den Großstädten schon sehr verbreitet, aber auch im ländlichen Raum immer mehr eine Alternative, hofft Matthias Thelen von den Stadtwerken Menden/Balve. Man arbeite daran, Konzepte dafür zu entwickeln, etwa zentrale Verknüpfungspunkte für Scooter mit dem ÖPNV. „Wir wollen hören, was die Leute brauchen“, erklärt Thelen das Konzept der Mobilitätsinsel. Rathaus-Vize Michael Bathe zeigt sich sehr angetan von der Umsetzung dieses Projekts. Bedürfnisse der Menschen in kleinen Orten erkennen, diesen aber auch selbst Denkanstöße zur Reflexion der eigenen Fortbewegung geben, lautet das Ziel der Beteiligten.

Noch ist in Mellen Zeit zum Mobilitätscheck . Ab dem 16. August steht die Mobilitätsinsel dann auf dem Jungferngut Lösse in Garbeck.

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