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Mellens Ortsvorsteher Daniel Schulze Tertilt sieht Herausforderungen bei dörflicher Infrastruktur

WP vom 12.08.2021 von Alexander Lück

Mellen Zu einem guten Leben auf dem Dorf gehört auch die passende Infrastruktur. Wie es darum in Mellen bestellt ist, wo man Verbesserungen vornehmen kann und was sich die Einwohner wünschen, das beschäftigt auch Ortsvorsteher Daniel Schulze Tertilt.

Am Rande von „WP vor Ort“ war Gelegenheit zum Gespräch. Und der passende Ort dafür ist natürlich die Mobilitätsinsel. Spannende Anregungen für das Fortkommen in der (nicht mehr allzu fernen) Zukunft, aber auch der Raum für die Bürger, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren. Das Projekt Mobilitätsinsel hat seine erste Station auf Balver Boden im Golddorf gemacht, bevor es nun in Kürze nach Garbeck weiterziehen wird.

Die WP hatte hier auch zu ihrem ersten Termin der „Redaktion vor Ort“ eingeladen. Wobei den Mitarbeitern dabei gleich eine der Schwierigkeiten rund um das Thema Infrastruktur deutlich wurde: das Internet. Ohne Zugang zum häuslichen WLan geht erstmal nichts. Das mobile Netz ist ziemlich langsam. Das weiß auch Ortsvorsteher Daniel Schulze Tertilt. Schon bevor der junge Familienvater im vergangenen Herbst offiziell in diesen Posten gehoben wurde, hatte er das als einen Schwerpunkt seiner Bemühungen genannt.

Internet-Standard „kein Zustand“

Seine Einschätzung ist unverändert: „E, also Edge als Standard, das ist eigentlich kein Zustand.“ Quasi von Amtsantritt an sei er deshalb im Austausch mit den zuständigen Stellen beim Märkischen Kreis gewesen. Nun läuft im Moment bekanntlich der Breitbandausbau im Stadtgebiet. Diesen erst auch in Mellen abzuschließen, so der Ortsvorsteher, sei hier unablässige Bedingung für einen Ausbau des Mobilfunknetzes. Dann könne man auch hier sprichwörtlich Tempo machen. „Die Zusage für LTE habe ich“, unterstreicht Schulze Tertilt. Hier also bald Datenautobahn.

Für das physische Vorwärtskommen in Mellen werde hingegen auf absehbarer Zeit hauptsächlich noch das eigene Auto das bevorzugte Mittel bleiben. Wobei sich Daniel Schulze Tertilt für verschiedene alternative Ansätze interessiert, nicht nur rund um die Mobilitätsinsel: das E-Bike oder autonomes Fahren.

Der aktuelle ÖPNV hingegen sei überschaubar. Jetzt, in den Sommerferien, und überhaupt außerhalb von Schultagen erreicht lediglich der Bürgerbus das Golddorf. Einen Kindergarten und eine Schule gibt es nicht in Mellen. Und trotzdem: Argumente für das Leben auf dem Land scheint es genug zu geben. Auch bei jungen Leuten. Fragt man Schulze Tertilt, welche Bürgeranliegen ihn in dem ersten guten Dreivierteljahr seiner Amtszeit erreicht haben, dann nennt er auch eine große Zahl an Fragen zu Bauland und Wohnraum.

Viele aus Mellen selbst, ebenso wie Auswärtige, wollen sich hier niederlassen. Das Neubaugebiet „Op`m Plasse“ füllt sich im Moment. Aber die Nachfrage sei durchaus noch größer, teilt der Ortsvorsteher mit. So dass es sein Wunsch wäre, „noch drei, vier oder fünf weitere Baugrundstücke anderswo im Dorf zu ermöglichen“. Auch weil er vermutet, dass das geplante Baugebiet „Hönnewiesen“ in der Balver Innenstadt nach den letzten Flutereignissen nun vielleicht ein Stück schwieriger umsetzbar geworden ist. Schule und Kita gibt es also nicht. Aber bald das Begegnungszentrum für Kinder und Jugendliche im alten Feuerwehrhaus. 55 000 Euro für den Umbau sind im städtischen Haushalt genehmigt. Nun werde der Bauantrag gestellt, dann könne es losgehen, erklärt der Ortsvorsteher. Ideen gebe es schon viele. „Es sind auch schon Eltern auf mich zugekommen die sich vorstellen können, in dem neuen Haus etwas anzubieten.“ Ob es nun eine Krabbelgruppe wird oder für die etwas Älteren eine Reparaturwerkstatt für Bikes. Daniel Schulze Tertilt sieht auch hier, wie bei anderen Aufgabenbereichen als Ortsvorsteher, seine Aufgabe in der Ansprache und Vermittlung von und zwischen Menschen. In dem Wissen, dass der Zusammenhalt in Mellen ja schon ganz außerordentlich ist. Den er auch weiter fordert bei der Unterstützung vorbildlicher Projekte: beim Landmarkt und Björn Freiburgs 24-Stunden-Kiosk etwa.

Einen klassischen Supermarkt werde man in Zukunft wohl nicht im Dorf sehen, vielleicht auch keine Kneipe mehr. Aber was hier durch private, ehrenamtliche Initiative aufgebaut wurde, sei überragend. „Deswegen unterstütze ich das voll.“ So solle auch jeder andere Mellener überlegen, ob er nicht hier seine Brötchen und anderes aus dem kleinen Sortiment für täglichen Bedarf einkaufen könne.

Das Einjährige als Ortsvorsteher ist für Schulze Tertilt noch ein bisschen hin. Unterstreichen möchte er aber jetzt schon, wie viel Spaß ihm die Aufgabe macht. „Die ersten Erfolge sind ein schöner Antrieb weiterzumachen.“ Dass manches in der politischen Umsetzung seine Zeit brauche, „daran muss man sich erst noch gewöhnen.“ Aber gut und wunderschön leben könne man ja in Mellen auf jeden Fall.

Was auch Nachteile mit sich bringe, etwa den doch recht starken Motorradverkehr in Richtung Sorpe.

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