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Försterin Ronja Martens zeigt Wandersleuten in Mellen, wie Monster-Sturm „Kyrill“ und Borkenkäfer-Invasion hingelangt haben. Veränderungen treffen Tiere wie Pflanzen

WP vom 21.09.21021 von J. Overkott

Ronja Martens strahlte, obwohl der Anlass des Treffens düster war. Und doch hatte die Försterin Grund zur Freude. Zum ersten Klimaspaziergang in Mellen war eine mehr als 40-köpfige Teilnehmerschar gekommen, generationenübergreifend, Schulkinder waren genauso dabei wie Ruheständler: „echt gut besucht“. Die Stadt Balve hatte die sonntägliche Wanderung kurzerhand ins Programm der Europäischen Mobilitätswoche gepackt. Der Klimawandel bewegt die Menschen, und die Menschen haben sich dahin bewegt, wo der Klimawandel zu sehen ist. Wie war’s?

„War schön“, bilanziert Ronja Martens am Montag knapp. Doch die Freude über eine gelungene Veranstaltung ist unüberhörbar. Die überraschend große Gruppe beim Gang rund ums Golddorf hat Glück gehabt mit dem Wetter. Zum Spätsommerfinale hat es blaue Lücken im Gewölk gegeben, manchmal gar Sonnenschein, und leidlich warm ist’s obendrein gewesen. Dass dieser Sommer im Vergleich zu den vergangenen Jahren eher kühl und nass war, haben die Klimawanderer gleich beim Start auf dem Dorfplatz sehen können. Das Gebüsch ringsum ist noch durchweg grün gewesen – im Gegensatz zu den Vorjahren, wo nach trocken-heißen Sommern zumeist bunte, vertrocknete Blätter im Wind raschelten.

Veränderungen begreifbar gemacht

Hitze und Dürre setzten dem Wald seinerzeit zu. „Die Fichten konnten nicht mehr genügend Harz produzieren, um die Borkenkäfer abzuwehren“, weiß Ronja Martens. Mit fataler Folge: Die gefräßigen Insekten machten dem Fichten-Forst fast allerorten den Garaus. Nadellos waren die Bäume am Ende, grau-braun, tot.

Der Klimawandel setzte nicht nur der Flora zu – er traf auch die Fauna. Ronja Martens hat den Wandersleuten die Veränderung am Beispiel der Ameisenhügel gezeigt: „Es werden immer weniger.“ Inzwischen werden auch die Borkenkäfer-Wälder weniger. Einerseits haben die fliegenden Fresskolonnen derart viele Nadelbäume attackiert, dass sie kaum noch Nahrung finden. Zum anderen haben Waldarbeiter in den vergangenen Wochen jede Menge Totholz aus dem Forst geschafft. „Eine Zeit lang war die Nachfrage größer als das Angebot. Doch mit der Zeit hat man sich seine Systeme geschaffen, um die Arbeit am Laufen zu halten. Jetzt ist das nicht mehr so problematisch“, stellt Ronja Martens fest. Zwei Unternehmer habe sie an der Hand.

Dafür sind zahlreiche freie Flächen entstanden, die überraschend neue Blicke auf die Hügel rund um Mellen freigeben: „Das ist schon beeindruckend“, sagt Ronja Martens, um sogleich hinzufügen: „Normalerweise darf man keinen Kahlschlag über zwei Hektar machen.“ Doch in Zeiten der Not war nicht das nur geduldet – es war sogar geboten. 49.000 Festmeter fielen in Mellen, sie sind allein dem Borkenkäfer geschuldet. Welche Mengen sind üblich? „In Mellen 2000 bis 3000 Festmeter“, entgegnet die Fachfrau.

Freie Flächen in großem Stil kennen die Menschen im Hönnetal seit Monster-Sturm „Kyrill“. Er langte in der Nacht zum 19. Januar 2007 hin. Damals war das Starkwind-Ereignis als ungewöhnliche Wetter-Erscheinung verbucht worden. Inzwischen haben Fachleute erkannt, dass Extremwetter immer häufiger auftritt: Klimawandel in Aktion.

Unterdessen rollt Holz-Laster auf Holz-Laster durchs Hönnetal. Die weltweite Konjunktur zieht an – und damit auch die Holzpreise. Ronja Martens hört, dass Waldbauern wieder mit ihrer Ware verdienen. Zufrieden seien sie dennoch nicht. „Eigentlich“, stellt Ronja Martens fest, „müsste der Holzpreis noch viel höher liegen.“

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