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So soll Energiewende gelingen

WP vom 18.06.2022 von Alexander Lück
Mellen möchte die Energiewende gestalten, zum Vorteil für Natur und Umwelt, aber auch gerne für den eigenen Geldbeutel. Ideen gibt es viele, aber was genau möchte das Dorf? Demnächst sollen alle Bürger Auskunft geben.


Im März dieses Jahres hatte Johanna Rüth zum „Talk im Landmarkt“ geladen. Thema: Nachhaltigkeit und Energiewende vor Ort. Mellen redet nicht bloß. Mellen packt an. Worten folgen Taten.
Weitere Interessierte willkommen
Seit diesem Abend hat sich eine Gruppe von gut 20 Mellener Bürgern zusammengefunden, die die Themen im gemeinsamen Austausch weiter verfolgt. Weitere Interessierte seien herzlich willkommen, unterstrich Johanna Rüth.
Gut 30 Besucher hörten an dem Abend im Landmarkt zu. Ein fertiges Konzept stellte die neu gegründete Gruppe dabei nicht vor, was auch gar nicht Absicht war. Im Moment ist man dabei, verschiedene Möglichkeiten zu erarbeiten, immer mit Blick auf die Frage: Was möchte das Dorf. Die Ziele hinter allem sind klar, definiert Johanna Rüth: langfristige Energiesicherheit und -unabhängigkeit, Natur- und Umweltschutz. Aber auch den eigenen Geldbeutel hat man im Blick: „Uns ist wichtig, dass die Wertschöpfung im Ort bleibt“, unterstreicht Rüth.
Mehrere Möglichkeiten liegen auf dem Tisch: eine Hackschnitzelanlage, deren gemeinsame Anschaffung in Mellen vor einigen Jahren schon einmal geplant war, Nah- und Fernwärme, Photovoltaik oder Windräder. Bürger können sich zusammenschließen, gemeinsam die Anlagen anschaffen und betreiben. Ob nun aber als Verein, Genossenschaft oder ähnliches? Hier braucht eine Antwort noch etwas Zeit. Denn für alles braucht es auch geeignete Flächen im Dorf.
Beispiel Windkraft: Noch gilt in Balve die Vorrangfläche des Beckumer Feldes. Mit einer Aufhebung durch die Politik ist aber bald zu rechnen, Windräder könnten dann auch an anderen Standorten genehmigt werden, was aktuell noch nicht möglich ist.
Im Fokus der Windkraft stehen auch die sogenannten Kalamitätsflächen, also Bereiche, wo der Wald durch Borkenkäfer, Sturm, Hitze beschädigt wurde. Und bevor sich auf eben diesen Flächen rund um Mellen ein Investor die Filetstücke sichere, so der Tenor in der Mellener Dorfversammlung, müsse man unbedingt selber aktiv werden.
In Mellen gibt es rund 200 Haushalte. Die Arbeitsgruppe Energiewende geht dabei zu einer großen Mehrheit von Öl- und Gasheizungen aus, sagt Johanna Rüth. Photovoltaik sei bisher nur auf wenigen Dächern zu sehen.
Neben Großprojekten, so sagt es die junge Mellenerin, wie den genannten kann auch auf jedem einzelnen Grundstück etwas geschehen. Und in der Gruppe habe sich mittlerweile einiges an Fachwissen, ob technisch oder juristisch, angesammelt, welches man als Beratung gerne an alle Bürger des Golddorfes bei Bedarf weitergebe.
Was will das Dorf?
Zunächst hat die Gruppe einen Fragebogen erstellt. Dabei geht es um die energetische Ausstattung des eigenen Hauses, Fragen zum Verbrauch, Bereitschaft in Projekte der Energiewende zu investieren. Antworten sind selbstverständlich freiwillig, allerdings hofft die Gruppe auf eine große Resonanz, um fundiert weiterarbeiten zu können. Die Fragebögen werden in Kürze an alle Mellener Haushalte verteilt.
Lukas Vedder-Stute: „Bei allem, was wir vorstellen und erarbeiten, wird die Frage sein: Besteht Interesse im Dorf?“ Siggi Drees gilt als Anpackerin. Sie meint: „Lasst uns einfach anfangen!“
Die Gruppe ist gespannt auf die Rückmeldungen. Das hat auch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Durch dieses wichtige gesellschaftliche Thema habe man im Dorf neue Mitstreiter gewinnen können, die sich bisher anderweitig noch nicht engagiert haben. Johanna Rüth: „Es wird nicht die eine Lösung geben, sondern eine Mischung verschiedener Möglichkeiten. Wir gehen jetzt Schritt für Schritt los.“

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